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    Erlebnis-Turm Zwinger Museum Rüstungen Ende des 16. Jahrhunderts

    Rüstungen Ende des 16. Jahrhunderts

  • Der mit vollständigem Harnisch gerüstete Krieger oder Ritter ist heute das Sinnbild des gesamten Mittelalters. Das sehr flexible Kettenhemd schützte den Körper, in der Regel zusammen mit einem gepolsterten Gewand. Mit der Zeit wurden zunehmend Stahlbleche verwendet, die entsprechend der Anatomie des Trägers geformt waren und Rumpf, Arme und Beine schützten. Zum Ende des Mittelalters (um 1500) war der Krieger von Kopf bis Fuß vollständig durch einen Plattenharnisch geschützt. Die Rüstungsschmiede hatte ihren Höhepunkt erreicht.

    Zu dieser Zeit war die schlachtentscheidende Bedeutung des hochgerüsteten Ritters zu Pferd bereits dem Untergang geweiht. Es wurde vermehrt zu Fuß gekämpft und dabei war ein vollständiger Harnisch hinderlich. Er schützte auch nur noch sehr eingeschränkt vor den immer leistungsfähigeren und verbreiteten Feuerwaffen. So kamen halbe und Dreiviertelharnische auf, die mehr Bewegungsfreiheit zuließen. Sie wurden zunehmend auch von leichten Reitern getragen.

    Der Reiter, der am Kampfgetümmel zu Pferd teilnahm, schützte seinen Kopf durch einen geschlossenen Visierhelm. Der Fußsoldat bevorzugte und brauchte Helme mit besserem Gesichtsfeld.

    Die hier gezeigten Harnische stammen aus der Zeit um 1580 und entsprechen, unabhängig ob von Reiter oder Fußsoldat getragen, dem gleichen Muster: Das Bruststück weist den größten Materialdurchmesser auf. Als „Talpulbrust“ bezeichnet läuft es am Bauch spitz zu, um Lanzenstöße und Geschosse abgleiten zu lassen und wird mit dem dünneren Rückenstück ergänzt.

    Als oberer Abschluss dient der Harnischkragen mit, in diesen Fällen, kurzen lamellenartigen Schulterstücken. Die Oberschenkel werden durch Beintaschen geschützt. Vollharnische wurden nur noch selten im Gefecht getragen. Rüstungen dieser Art wurden noch im 30-jährigen-Krieg getragen und als Beutestücke auch von niederen Soldatenrängen.

    Rüstungen Ende des 16. Jahrhunderts

    Rüstungen Ende des 16. Jahrhunderts

  • Erlebnis-Turm Zwinger Museum Rüstungen des 16. bis 17. Jahrhunderts

    Rüstungen des 16. bis 17. Jahrhunderts

  • Die hohe Kunst der Plattnerei (Rüstungsschmiede) im Spätmittelalter und der Renaissance hatte zum Ziel, dem Träger den besten Kompromiss von Körperschutz, Gewicht, Bewegungsfreiheit und Einsatzdauer zu bieten. Dazu kam noch ein notwendiger Tragekomfort, der dem Krieger eine längere Einsatzzeit ermöglichte. Hitzeentwicklung, Atemnot und Erschöpfung waren beim Kampf in Rüstung große Gefahren.
    Geschützt wurden hauptsächlich die wichtigsten Angriffszonen des Körpers: Kopf und Rumpf. Treffer auf diese Körperteile waren meist fatal. Aber auch Verwundungen an Gelenken, Beinen und Armen konnten einen Krieger vorläufig ausschalten.
    So wurden verschiedene Techniken entwickelt, um mit Scharnieren, Aufhängungen und Gelenken die aus Stahlblech geformten Rüstungsteile miteinander zu verbinden. Sie durften nach Möglichkeit keine Spalten oder Lücken lassen, durch die gegnerische Waffen eindringen konnten.
    Zur Gewichtsersparnis hatten die Rüstungsteile unterschiedliche Materialstärken. Der Helm war zur Vorderseite am stärksten, ebenso wie die Bruststücke. Geringere Materialstärken konnten aber durch Falzungen, Profilierungen oder Kannelierungen erheblich versteift werden. Dadurch ergaben sich verschiedene Verzierungsmöglichkeiten, wonach heute u.a. die Rüstungsstile unterschieden werden. Die Brustplatte wurde bei größerer Materialstärke gewölbter und musste immer mehr dem Beschuss aus Feuerwaffen standhalten.
    Der Helm als wichtigster Schutz unterlag ebenfalls verschiedenen Formideen und Rüstungsstilen. Es sind anwendungsbezogene Unterschiede in der Helmform feststellbar:
    Der Reiter, der sich dem Kampfgetümmel zu Pferd stellen musste, schützte seinen Kopf z.B. durch einen geschlossenen Visierhelm gegen direkt geführte Stöße von Schwert und Lanze. Der Fußsoldat benötigte Helme mit besserem Gesichtsfeld, da er meist in dichten Formationen kämpfte.
    Die Qualität der Harnische reichte von der Massenproduktion für einfache Fußsoldaten bis hin zu maßgeschneiderten aufwendig verzierten Einzelstücken, die einen hohen Repräsentations- und Prestigewert für den Besitzer hatten.

    Rüstungen des 16. bis 17. Jahrhunderts

    Rüstungen des 16. bis 17. Jahrhunderts

  • Erlebnis-Turm Zwinger Museum Rüstungen des 18. bis 20. Jahrhunderts

    Rüstungen des 18. bis 20. Jahrhunderts

  • Eine frühe und sehr erfolgreiche Form des stählernen Körperschutzes war das Kettengeflecht, das von den Kelten schon in der Antike angewandt wurde.
    Die Ringe wurden aus Draht geformt und wurden einzeln vernietet. (!!!) Es greifen in einen Ring immer 4 bis 6 weitere und ergeben das Kettengeflecht.
    Ein Kettenhemd besitzt je nach Größe und Ringdurchmesser zwischen 10.000 bis 30.000 Ringe. Dieser Körperschutz war sehr flexibel, schmiegte sich am Körper an und schütze besonders gegen Schnitte.
    Meist wurde unter dem Hemd noch ein gepolsterter Waffenrock getragen, um die Trefferwucht abzudämpfen. Die Herstellung war einfach aber langwierig. Trotzdem wurde das Prinzip in Europa, wenigstens für Teile des Körpers, bis in die Mitte des 17. Jh. beibehalten. In vorderasiatischen Kulturkreisen sah man im Nahkampf offenbar immer noch den Schwerpunkt. Deshalb hielt man an dem vielseitigen Kettenhemd sogar bis zum Anfang des 20. Jh. fest, trotz vermehrten Einsatzes von Feuerwaffen. Allenfalls wurden Metallplatten an dem Kettenhemd im Brustbereich angebracht. In Afghanistan und Nordindien kam noch ein an der linken Schulter befestigtes rundes Schild hinzu.

    Rüstungen des 18. bis 20. Jahrhunderts

    Rüstungen des 18. bis 20. Jahrhunderts

  • Erlebnis-Turm Zwinger Museum Kavallierwaffen 19. Jahrhundert

    Kavallierwaffen 19. Jahrhundert

  • Der von schweren Reitern getragene Küraß steht im 18. und 19. Jh. an vorerst letzter Stelle der Harnischentwicklung. In dieser Form wurde er von den meisten europäischen Mächten im gesamten 19.Jh. getragen, in Frankreich sogar noch bis zum Anfang des 1. Weltkrieges.
    Kombiniert wurde er mit einem Kürassier- oder Dragonerhelm mit breitem Kamm und Federn und Fellverzierung. Es war übliche Mode des 19. Jh. mit dem Helm klassisch-antike Formen zu imitieren. Als Bewaffnung wurden ein Paar kurze Pistolen in Satteltaschen und gelegentlich ein Karabiner mitgeführt. Die Pistolen besaßen nur eine kurze Reichweite und dienten auch dazu, Alarm zu signalisieren. Hauptwaffe war aber der hauptsächlich zum Stoß geeignete Degen oder Pallasch.
    Kavalleristen dieser Klasse griffen geschwächte gegnerische Formationen direkt an. Sie sollten diese regelrecht sprengen und so den Sieg herbeiführen. Ehrendegen entsprachen in ihrer Form einsatzfähigen Waffen, sind aber eher dekorativ und weisen geätzte Inschriften auf. Sie wurden innerhalb der Armee an verdiente Mitglieder oder als Erinnerungsstücke von Kameraden verliehen.

    Kavallierwaffen 19. Jahrhundert

    Kavallierwaffen 19. Jahrhundert

  • Erlebnis-Turm Zwinger Museum Japanische Helme 17. bis 19. Jahrhundert

    Japanische Helme 17. bis 19. Jahrhundert

  • In Japan entwickelten sich im Mittelalter und der frühen Neuzeit völlig andere Rüstungsformen als zur gleichen Zeit in Europa.
    Der Samurai entsprach in gesellschaftlicher Hinsicht dem europäischen Ritter und konnte sich den maximalen Körperschutz leisten. Es wurden immer gerade Blechlamellen mit Seidenkordeln kunstvoll miteinander verbunden. Sie gaben Schutz für Rumpf, Oberschenkel und Schultern. Erst durch den europäischen Einfluss im 16. Jh. gelangten neue Fertigungsideen aber auch Feuerwaffen nach Japan.
    Die Samuraihelme (jap. Kabuto) wurden nun aus einer Vielzahl von zusammen genieteten Eisenplatten hergestellt und sollten wenigstens teilweise vor Kugeln aus Feuerwaffen aber auch vor Schwerthieben schützen.
    Gleichzeitig bestand bei der Gestaltung von Waffen und Rüstung ein hoher ästhetischer Anspruch. So wurde die Konstruktion nicht nur dekorativ gestaltet und besonders die Helme mit viel Zierrat versehen. Sie besaßen alle einen flexiblen Nackenschutz aus halbrunden, mit Seidenkordeln verbundenen Lamellen. Die Oberflächen wurden entsprechend der japanischen Lackkunst farbig gestaltet und damit vor Korrosion geschützt.
    Neben dem Samurai gab es einige geringere Kriegerklassen wie die Ashigaru, die weniger Möglichkeiten zum Körperschutz hatten. Dies betraf auch deren Helme, die der zivilen Mode entsprachen. Ähnlich wie bei den Kabuto (Vitrine 2) bildeten entweder zusammengenietete Stahlblechteile oder verklebte Kartonschichten einen kegelförmigen breiten Helm (jap. Jingasa). Durch eine Vielzahl von Lackschichten wurde die Struktur und das Material völlig überdeckt und gefestigt. Diese Helme erfreuten sich aufgrund ihres leichten Gewichtes aber auch bei Samurais einer gewissen Beliebtheit. Die Jingasa waren meist nur durch Bemalung verziert. In einigen Fällen sind hier die Wappen (jap. mon) verschiedener japanischer Clans zu sehen.
    Alle gezeigten Helme wurden hauptsächlich in der Edo-Periode (1603-1868) gefertigt, folgen aber teilweise Formen aus dem 16. Jh.
    Europäische Helme, 17. Jh.

    Japanische Helme 17. bis 19. Jahrhundert

    Japanische Helme 17. bis 19. Jahrhundert

  • Erlebnis-Turm Zwinger Museum Helme

    Helme

  • Der Kopf als wichtigstes Angriffsziel benötigte einen besonderen Schutz. Dieser musste sich jedoch den sich verändernden Kampfumständen anpassen.
    Seit Mitte des 16. Jh. wurde die Sturmhaube und der Morion vor allem bei der Infanterie (Fußvolk) getragen. Sie boten durch den breiten Kamm und den Augenschirm bzw. der umlaufenden Krempe guten Schutz gegen Hiebe von oben, wie sie vom Pferderücken ausgeteilt werden konnten.
    Für die Kavallerie (Reiterei) kam im 30-jährigen Krieg die Zischegge oder der Pappenheimer auf. Dieser Helmtyp stammt aus Osteuropa und beschränkte den Gesichtsschutz auf ein verstellbares Nasal und weiten Schirm. Der Nacken wurde durch Lamellen geschützt. Auf diese Weise erhielt der Reiter im Gefecht ein großes Gesichtsfeld bei bestem Schutz vor Hieben gegen den Kopf.
    Nach dem 30.-J-Krieg verschwanden der Morion und die Sturmhaube und später auch die Zischegge. Der Schutz des Reiters beschränkte sich im. 18. Jh. auf eine kleine Haube aus Blech oder eine „Krone“ aus dickem Stahldraht unter seinem Hut, bis zum Anfang des 19. Jh. wieder die Idee einer wenigstens teilweise geharnischten schweren Kavallerie aufkam.

    Helme

    Helme

  • Erlebnis-Turm Zwinger Museum Stangenwaffen, 16. bis 19. Jahrhundert

    Stangenwaffen, 16. bis 19. Jahrhundert

  • Die einfache Lanze oder Speer, zunächst mit Knochen-, Geweih- oder Feuersteinspitze, gehört wohl zu den ältesten Waffenkonzepten der Menschheit.
    Stangenwaffen aller Art gehörten zu der Grundausrüstung besonders der zu Fuß kämpfenden Krieger und Soldaten. Aber auch Berittene führten im Mittelalter eine lange Lanze, die im Verlauf der frühneuzeitlichen Kriegsgeschichte außer Mode kam, um im 19. Jh.und sogar bis zum Anfang des 1. Weltkrieges als Kavallerielanze wiederentdeckt zu werden.
    Leicht herstellbar konnten Stangenwaffen durch ihre große Reichweite sehr effektiv eingesetzt werden. So bewaffnete Kriegerhaufen, in enger Formation konnten sich igelartig nach allen Seiten, besonders gegen Reiter und deren Pferde, verteidigen.
    Andererseits konnte eine vom Reiter geführte Stoßlanze durch die Reitgeschwindigkeit eine hohe Durchschlagskraft entwickeln.
    Das Spektrum der Stangenwaffen der Infanterie reichte von einfachen, mehrere Meter langen Piken mit einfacher Spitze, bis hin zu großflächigen Klingen und Spitzen.
    Sogenannte Helmbarten (oder Hellebarden – Halm = Stiel, Barden = Axt, Beil) mit breiter seitlicher Schneide, oder Haken, oder Roßschinder mit vielen Spitzen und Haken, konnten durch das schwunghafte beidhändige Führen eine erhebliche Kraft entwickeln und sogar Harnische durchschlagen. Mit gebogenen Haken konnten Reiter von ihren Pferden gezogen werden.
    Während der Bauernkriege wurde vielfach landwirtschaftliches Werkzeug mit langen Stielen versehen, oder so umgearbeitet, so dass es als improvisierte, aber wirksame Waffen zum Einsatz kamen.
    Helmbarten verloren im Laufe der Zeit ihre eigentliche Funktion und wurden neben Spontonen und Partisanen im 18. bis Anfang 19. Jh. als Offizierswaffe, Rangabzeichen oder Zeremonialwaffe geführt.

    Stangenwaffen, 16. bis 19. Jahrhunder

    Stangenwaffen, 16. bis 19. Jahrhundert

  • Erlebnis-Turm Zwinger Museum Römische Geschütze

    Römische Geschütze

  • Die antike römische Armee war in ihrer Zeit die professionellste und fortschrittlichste in der damals bekannten Welt. Die Legionäre, die im 1. Jh. n. Chr. das römische Reich zur größten Ausdehnung verhalfen, waren sowohl disziplinierte Soldaten als auch fähige Handwerker. Sie bauten eine Vielzahl von befestigten Straßen und Lagern entlang ihrer Vormarschrouten und Grenzen.
    Auch die antike Belagerungskunst wurde von ihnen beherrscht. Gegnerische Städte und Lager wurden in der Regel vollständig eingeschlossen und entweder ausgehungert oder gestürmt. Zu der Ausstattung jeder Legion gehörten daher auch Belagerungsgeräte. Zu ihnen zählten Geschütze, die ihre Federenergie nach dem Torsionsprinzip entwickelten:
    Ein Bündel aus Fasern, meist Pferdeschweifhaar oder Sehnen, wurde in einem Rahmen aufgehängt, mittig mit einem Hebel versehen und an den Aufhängungspunkten verdreht. Durch einen Seilzug wurde der Hebel gespannt, arretiert und die Energie somit gespeichert. Der Hebel bildete gleichzeitig den Wurfarm für das Geschoß. Das Prinzip war noch im Mittelalter bekannt.

    Nach diesem Prinzip gab es zwei verschiedene römische Geschützmodelle:
    Der Onager (lat. Wildesel) mit einem Torsionsbündel, welches Steine o.ä. über eine stark gekrümmte Flugbahn verschoss und den Scorpio (lat. Skorpion) mit zwei Rutenbündeln für befiederte Bolzen. Der Onager eignete sich besonders für den Beschuss von Gebäuden oder Zielen hinter Deckung, während die Bolzen des Skorpions mit ihrer flachen Flugbahn gegen Punktziele einsetzbar waren. Der belagerte Gegner konnte also in seiner Verteidigungsstellung mit dem Skorpion niedergehalten werden, während der Onager Ziele dahinter unter Beschuss nahm.
    Besonders vom Skorpion gab es verschieden große Ausführungen, die teilweise auch Steinkugeln oder Bleigeschosse verschossen.
    Von den hier gezeigten Modellen entspricht der Skorpion durchaus überlieferten Dimensionen, während der Onager etwa den Maßstab 1:3 besitzt.

    Römische Geschütze

    Römische Geschütze

  • Erlebnis-Turm Zwinger Museum Klingenwaffen

    Klingenwaffen

  • Handgeführte Klingenwaffen besaßen als persönliche Waffen des Kriegers zu allen Zeiten eine besondere Bedeutung.
    Das mittelalterliche Schwert erfuhr ebenso eine Idealisierung wie dessen Träger, der Ritter. Als Waffe des Edelmannes und des Kavaliers zeugte es von seiner persönlichen Freiheit und Wehrhaftigkeit und gehörte noch bis zum Anfang des 19. Jh. in Europa und in vielen Kulturkreisen der Welt noch heute zur zivilen Ausstattung. Als Zeremonialobjekt, wie das Reichsschwert, erhielt es höchsten Symbolcharakter.
    Im militärischen Bereich dagegen schwankte über die Jahrhunderte die Bedeutung dessen Einsatzes, dennoch gehörte es zu den wichtigsten persönlichen Waffen. Während in der Antike, in Mittelalter und Frühneuzeit dem Schwert zuweilen auch ein hoher materieller Wert und einzelnen auch legendärer Hintergrund (Siegfrieds Balmung, Arthurs Excalibur, Rolands Durendal) zukam, wurde die Klingenwaffe in der Neuzeit als Degen oder Säbel hauptsächlich von Offizieren und Kavalleristen geführt, von letzteren als Hauptwaffe.
    Das Schwert und später der Degen, mit besonders geformtem Schutz für die Hand (das Gefäß), besitzt immer eine gerade Klinge und ist besonders für den Stich geeignet, aber auch für den Hieb. Der Säbel hat immer eine gekrümmte Klinge und ist besonders für den Hieb gedacht, wo er durch die Krümmung beim Auftreffen schneidend wirkt.
    Beide Klingenformen kamen seit der Antike parallel vor, je nach Kulturkreis unterschiedlich stark vertreten.
    In Europa wurden seit dem Mittelalter hauptsächlich gerade Klingen geführt.
    Durch orientalischen und osteuropäischen Einfluss hielt der Säbel seit Mitte des 17. Jh., besonders für Reiter, im Militär Einzug.

    Klingenwaffen

    Klingenwaffen

  • Erlebnis-Turm Zwinger Museum Klingenwaffen 2

    Klingenwaffen 2

  • In Asien und Afrika entwickelte sich eine Vielzahl von Klingenformen. Teilweise zweckgebunden als Kombination aus Werkzeug und Waffe bis hin zu rein repräsentativen Waffen. Das Osmanische Reich grenzte einmal bis an Zentraleuropa. Das lange erfolgreiche türkische Heer brachte eine Vielzahl von Waffenformen hervor, teilweise unter Einfluss aus besetzten Gebieten. Aus Südosteuropa stammt das Yatagan oder auch Handschar. Ähnlich gebogen wie Säbel verläuft die Schneide jedoch innenseitig. Der Griff besitzt breite „Ohren“, die einen Verlust der Waffe beim Hieb verhindern sollen. Zeremonien spielten in der türkischen Armee eine große Rolle, in diesem Zusammenhang wurden Zeremonialäxte verwendet.

    Der Kris (oder Keris) ist, ähnlich des europäischen Galanteriedegens des Kavaliers, eine Statuswaffe des südostasiatischen Raumes. Überlieferungen zufolge besaß er aber auch Zauberkräfte, bzw. wurden einzelne Kris eigens für besondere Zwecke von einer Art „Hexenschmied“ hergestellt. Das indonesische Wort amok bezeichnet eine früher in Indonesien verbreitete Form des öffentlichen Freitodes, bei dem meist der Kris eingesetzt wurde. Entsprechend der uns geläufigen Wortbedeutung forderte ein solcher Akt auch dort viele unschuldige Opfer. Aus China stammen zahllose Waffen, die mit diversen Ausprägungen des Kung Fu verbunden sind. Das Da Dao wurde sogar noch in der Mitte des 20. Jh. als militärische Waffe geführt. Mit Flyssa wird eine Waffe der Kabylen in Marokko bezeichnet. Die dünne Spitze galt als panzerbrechend.

    Klingenwaffen

    Klingenwaffen

  • Erlebnis-Turm Zwinger Museum Jagdwaffen

    Jagdwaffen

  • Jagdwaffen entwickelten sich parallel zu Militärwaffen. Entsprechend ihres Einsatzbereiches, Erlegen und Zerlegen des Wildes, entstanden verschiedene spezialisierte Waffenformen. Dazu gehören Schusswaffen wie Armbrust, Schnepper, Flinte, Jagdgewehr, aber auch Klingen- und Stangenwaffen, wie Seitengewehr, Hirschfänger, Plaute und Eberspieß oder Saufeder. Hinzu kam der Wunsch nach prachtvoller Verzierung dieser Waffen, da die Jagd lange ein herrschaftliches (und heute kostenintensives) Privileg war.

    Es gab eine Reihe von jagdlichen Schusswaffen, entsprechend des Beuteschemas: Schrotverschießende glattläufige Flinten mit Doppellauf dienten und dienen der Geflügeljagd. Vor Einführung von Feuerwaffen und parallel zu ihnen, als nahezu lautlose Waffe, bot sich die bolzenverschießende Armbrust und der Kugelschnepper an, letzterer war der Armbrust ähnlich und wurde hauptsächlich zur Vogeljagd verwendet. Für den präzisen Einzelschuss entwickelte sich im 18. Jh. das deutsche Jagdgewehr, erkennbar durch einen gezogenen achtkantigen und gebräunten Lauf, der Anschlagsbacke am Kolben, der Kolbenlade für Schusspflaster, dem langen Abzugsbügel und vor allem dem Stecherabzug. Die spiralförmigen Züge im Lauf verhalfen der Bleikugel zu einem stabilisierenden Drall beim Abschuss. Der vor dem eigentlichen Auslösen gezogene Stecher reduzierte den Abzugswiderstand auf ein Minimum, um das Verreißen beim Abschuss zu verhindern. Ursprünglich verwendete man das Seitengewehr oder den Hirschfänger für den Gnadenstoß des waidwunden Tieres, bis er heute zu einer reinen Zierwaffe mutierte.

    Jagdwaffen

    Jagdwaffen

  • Erlebnis-Turm Zwinger Museum Gewehre Ende 18. bis Ende 19. Jahrhundert

    Gewehre Ende 18. bis Ende 19. Jahrhundert

  • Die Entwicklung der Feuerwaffen nahm in Europa zu Beginn des 14. Jh. seinen Einzug in die Militärtechnik. Bis in die letzte Hälfte des 19. Jh. basierte sie dabei auf einem Gemisch von Holzkohle, Salpeter und Schwefel – dem Schwarzpulver.

    Eine Feuerwaffe besteht aus dem Lauf, einem an einem Ende geschlossenen Rohr mit einem Zündloch. Der Lauf wurde auf einen Schaft montiert, um ihn handhabbar zu machen. Bis zur Einführung der Metallpatrone und wirksameren Treibmitteln wurde das Pulver lose in die Laufmündung geschüttet und das Geschoss, meistens eine Bleikugel, eingeführt und mit einem Pfropfen aus Textil oder Papier gasdicht verdämmt. Wurde zunächst die Ladung mit einer glimmenden Lunte am Zündloch entzündet, entwickelten sich verschiedene Zündtechniken, die das Zielen verbessern und den sicheren Abschuss gewährleisten sollten. Sogenannte Schlösser, mit teilweise komplizierter Mechanik wurden in den Schaft eingebaut: Nach dem Luntenschloss, folgte das Rad-, Stein- und das Perkussionsschloss. Das Luntenschloss führte die Lunte sicher zum Zündloch, während später durch ein geriffeltes Rad und noch später durch einen Feuerstein Funken geschlagen wurden, die in einer Pulverpfanne eine kleine Pulverladung zur Zündung brachten, die wiederum die Hauptladung durch das Zündloch zündete. Diese Schlösser waren nicht wetterfest, bis durch das Perkussionsschloss mittels druckempfindlicher Zündpille auf einem Zündkanal Abhilfe geschaffen werden konnte.

    Im Laufe des 19. Jh. wurden verschiedene Hinterlader- und Zündsysteme entwickelt, die dem Soldaten die Handhabung und Schießgeschwindigkeit nochmals erleichtern sollten. Die Ladung wurde nun von hinten in den Lauf eingebracht und danach mechanisch verschlossen. Die Zündung erfolgte bald durch eine Nadel, die direkt auf die Ladung einwirkte, später mit einem Bolzen auf die Zündpille einer Metallpatrone. Die Patrone, die Treibladung und Geschoß miteinander vereinte, ermöglichte die Magazinierung von mehreren Patronen in einem Gewehr.

    Da der Infanterist entsprechend der Entwicklung nur etwa 3 Schuss in der Minute abgeben konnte, führte er Anfangs eine auf das Gewehr aufpflanzbare Klinge mit sich - das Bajonett. Es diente – theoretisch – dem Nahkampf und stellt eigentlich die letzte Klingenwaffe dar, die der Infanterist bis heute trägt.
    Das Luftgewehr ist eine parallele Entwicklung, die kurzeitig in Österreich im frühen 19. Jh. auch militärisch eingesetzt wurde. Der verfügbare Luftdruck erreichte jedoch nicht die Leistungskraft, um als Kriegswaffe erfolgreich zu sein.

    Gewehre Ende 18. bis Ende 19. Jahrhunder

    Gewehre Ende 18. bis Ende 19. Jahrhundert

  • Erlebnis-Turm Zwinger Museum Bidenhänder

    Bidenhänder

  • Das zweihändige Schwert oder auch Bidenhänder, entstand zum Ende des Mittelalters und wurde von besonderen Kriegsknechten geführt. In dieser Zeit kämpfte die Infanterie in dichten, rechteckigen Formationen und führte als Hauptwaffe die mehrere Meter lange Pike, mit der zur Front hin eine schier undurchdringliche Hecke von Pikenspitzen entstand. Sekundiert wurden die Pikeniere durch Helmbardenträger und „Schwertspieler“, die den Bidenhänder führten und zuweilen doppelten Sold bezogen und daher Doppelsöldner genannt wurden.
    Stießen zwei pikenbewehrte Kriegshaufen aufeinander brachen aus der Formation die Hellebardenträger und Schwertspieler hervor und drangen in die gegnerische Formation ein. Der Schwertspieler hieb mit seinem Bidenhänder eine Gasse in die feindlichen Reihen frei, um die Formation zu erschüttern. Aus dieser Zeit soll der Begriff „Gassenhauer“ überliefert sein.
    Ob diese Waffe immer in dieser Weise effektiv eingesetzt worden konnte, kann bezweifelt werden. Fest steht allerdings, dass dieser Typ wenigstens als Zeremonialwaffe, aber auch als Dekoration viel zum Einsatz kam.

    Bidenhänder

    Bidenhänder

  • Geschichte des Zwingers zu Goslar

  • Der Zwinger in Goslar ist Teil der Befestigungsanlagen der alten Kaiserstadt Goslar. Er wurde 1517 zum Schutz der Stadt Goslar errichtet.

    Das Steinwerk des Goslarer Zwingers wurde überwiegend vom Sandstein des Sudmerberges, nordöstlich von Goslar, gewonnen und mit gebranntem Kalk vermauert. Da das Kalkbrennen noch unvollkommen war, vermengten die Bauleute zur besonderen Abhärtung den Mörtel mit Rosshaar, Quark, Ziegenmilch und Ochsenblut.

    Dicht unter dem Konsolenkranz befinden sich zwei eingemauerte Sandsteinplatten mit den Wappen des Deutschen Reiches und der Stadt Goslar und der Aufschrift „Anno dm M D X V II“. Das ursprüngliche Kegeldach wurde 1857 zurückgebaut.

    Mit einer Mauerstärke im unteren Bereich von 6,5 Metern, einem Durchmesser von 26 Metern und einer Höhe von 20 Metern gehört der Zwinger zu den stärksten noch bestehenden und genutzten Befestigungstürmen Europas.

    Der Goslarer Zwinger ist seit dem 1. August 1936 in Privatbesitz.
    Heute beherbergt der Zwinger ein Restaurant im Erdgeschoss,
    drei Ferienwohnungen in der mittleren Etage und im oberen Bereich
    ein Museum mit Waffen, Rüstungen und Foltergeräten aus dem Mittelalter.
    Bidenhänder

    Zwinger mit Kegelturm

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